Zum ersten Amtsjahr der Bundestierschutzbeauftragten
„Kleine Schritte sichtbar, große Schritte stehen noch aus“
Vor einem Jahr, am 27. August 2025, wurde Silvia Breher zur Beauftragten der Bundesregierung für Tierschutz berufen. Seit dem 1. September 2025 ist sie im Amt. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, zieht Bilanz:
„Silvia Breher ist seit einem Jahr Bundestierschutzbeauftragte. In dieser Zeit hat sie wichtige Gespräche mit den Tierschutzorganisationen geführt und an einigen Stellen erste Impulse gesetzt. Das begrüßen wir ausdrücklich.
Doch bei den großen tierschutzpolitischen Baustellen dieser Legislaturperiode stehen entscheidende Schritte weiterhin aus. Dies ist vor allem der Doppelfunktion geschuldet, in der sie tätig ist. Als Parlamentarische Staatssekretärin muss Silvia Breher die Linie des Landwirtschaftsministers umsetzen, gleichzeitig für eine Weiterentwicklung und Stärkung des Tierschutzes sorgen. Die im Koalitionsvertrag versprochenen Investitionen für Tierheime hat die Bundesregierung faktisch vom Tisch gewischt. Auch bei der aktuellen Änderung des Tierschutzgesetzes reicht das bisher Geplante nicht aus. Die verpflichtende Videoüberwachung in Schlachthöfen ist ein richtiger Schritt, aber nur die halbe Miete, wenn sie lediglich für große Schlachtbetriebe gelten soll. Es muss zudem darum gehen, die Methoden bei Betäubung und Schlachtung zu verbessern und besonders belastende Methoden zu verbieten. Auch fehlt es weiter an einer gesetzlich verankerten Kastrationspflicht für Katzen mit unkontrolliertem Freigang auf Bundesebene, einer Sachkundepflicht für Tierhalter und der im Koalitionsvertrag versprochenen Regulierung des Onlinehandels mit Tieren. Auch ein bundesweites Verbot von Tiertransporten in Hochrisikostaaten ist längst überfällig.
Grundsätzlich würden wir uns mehr Sensibilität und gelebte Tierschutz-Werte wünschen. Mitte August ließ Frau Breher sich bei über 30 Grad mit einer Pferdekutsche durch Vechta zum Stoppelmarkt fahren, auf der Grünen Woche in Berlin posierte sie Anfang des Jahres mit einem Herz aus Pelz. In einem Social Media Video erklärt sie aktuell die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht zu ihrem wichtigsten politischen Erfolg. Aufklärung und verantwortungsbewusster Einsatz im Sinne des Tierschutzes sieht anders aus.
Frau Breher hat sich vorgenommen, den Tierschutz nachhaltig zu stärken. Nach einem Jahr ist es Zeit, diesem Anspruch noch stärker mit konkreten politischen Initiativen Nachdruck zu verleihen. Wir blicken daher mit hohen Erwartungen auf die weitere angekündigte Novelle des Tierschutzgesetzes. Zudem erwarten wir, dass sie das geplante Tierversuchsgesetz verhindert. Wir stehen bereit, die Bundestierschutzbeauftragte dabei fachlich und politisch zu unterstützen – auch dann, wenn es darum geht, innerhalb der Regierungsfraktionen für mehr Tierschutz zu werben und bestehende Blockaden zu überwinden.“